Niedersachen klar Logo

Interesse an deutscher Staatsbürgerschaft weiter hoch

Themenspecial Brexit


Nach dem deutschen Staats­angehörigkeitsgesetz haben Staatsbürgerinnen und Staatsbürger eines Mitglieds­landes der Europäischen Union die Möglichkeit, sich un­ter bestimmten Voraussetzun­gen in der Bundesrepublik ein­bürgern zu lassen, ohne ihre ursprüngliche Staatsangehö­rigkeit aufgeben zu müssen.

Seit dem Brexit-Referendum vom Juni 2016 ist ein steigen­des Interesse bei Britinnen und Briten in Niedersachsen an der deutschen Staatsbürgerschaft erkennbar. Der Anstieg im Jahr 2016 um 368 Prozent gegen­über 2015 war bereits bemerkenswert. Im vergangenen Jahr stieg die Zahl noch einmal deutlich auf 672. Das ist ein Anstieg im Vergleich zu 2016 von 128 Prozent.

Das Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung hat ak­tuell bei zehn Städten in Niedersachsen die Einbürgerungszahlen für das abgelaufene Jahr 2018 abgefragt. Insgesamt ist die Zahl der Einbürgerungsfälle noch einmal deutlich nach oben gegangen. 2016 verzeichneten die abgefragten Stadtverwaltungen insgesamt 81 Einbürgerungen von Britinnen und Briten. Im Jahr 2017 stieg die Zahl auf insgesamt 161, ein Zuwachs um 98,8 Prozent. 2018 nahm die Zahl noch einmal zu auf 241 Einbürgerungsfälle, ein Zuwachs gegenüber 2017 um nochmals 49,7 Prozent. Besonders auffällig sind hohe Werte in Hannover, Braunschweig, Wolfsburg und Osnabrück.

Statistik Einbürgerung Briten nach Städten  
Quelle: Abfrage MB
Statistik Einbürgerung Briten 2010 - 2017  

Bei der Betrachtung der Altersstruktur der eingebürgerten Britinnen und Briten fällt auf, dass die überwiegende Mehrzahl Personen 45 Jahre und älter ist. Das deutet darauf hin, dass es sich vor allem um Personen handelt, die bereits seit vielen Jahren in Niedersachsen ansäs­sig sind und hier ihren Lebensmittelpunkt gefunden haben.

Tabelle Einbürgerung Briten 2017

Damit korrespondiert die Tatsache, dass die meisten Britinnen und Briten, die im vergange­nen Jahr eingebürgert worden sind verheiratet sind bzw. eine Lebenspartnerschaft eingegan­gen sind. Aber auch die Zahl der geschiedenen bzw. verwitweten Personen ist vergleichs­weise hoch, was die These unterstreicht, dass diese Personen in Niedersachsen ihren Le­bensmittelpunkt gefunden haben.

Tabelle Einbürgerung Briten 2017 nach Geschlecht

Auch die Tatsache, dass die Mehrzahl der eingebürgerten Personen männlichen Ge­schlechts ist (395 Männer, 277 Frauen), kann wegen der langen Tradition der Stationierung britischen Militärs in Niedersachsen nicht überraschen.

Wie funktioniert die Einbürgerung?

Der vorliegende aber noch lückenhafte Entwurf eines Austrittsabkommens zwischen der EU und Großbritannien sieht weitreichende Rechte für die in der EU lebenden Britinnen und Bri­ten vor (und umgekehrt: für EU-Bürgerinnen und -Bürger in Großbritannien): Im Falle es geordneten Brexit behalten sie u.a. ein lebenslanges Aufenthaltsrecht und Zugang zu den Sozialsystemen.

Im Fall des ungeordneten Brexit sieht die Situation komplett anders aus. Die Briten wären dann nach dem 29. März 2019 keine Unionsbürger mehr und könnten somit nicht mehr (ohne spezielle Vorschriften) von der Personenfreizügigkeit profitieren.

Wer sich als britischer Staatsbürger in Niedersachsen mit dem Gedanken trägt, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen, um im Falle eines ungeordneten Brexit weiterhin die Vor­züge der EU-Freizügigkeit nutzen zu können, sollte Folgendes beachten:

  • Britische Staatsangehörige, die alle Einbürgerungsvoraussetzungen erfüllen, sollten mit der Antragstellung nicht zu lange warten. Wenn sie für sich die Doppelte Staats­bürgerschaft nutzen wollen – also die gleichzeitige Staatsbürgerschaft des Vereinig­ten Königreichs und der Bundesrepublik –, sollten sie darauf achten, dass ihr Verfah­ren vor dem 29. März 2019 abgeschlossen ist. Maßgeblich ist der Tag der Einbürge­rung, nicht der Tag der Antragstellung. Die Doppelte Staatsbürgerschaft bekommt man nur, wenn zum Zeitpunkt der Einbürgerung das Heimatland Mitgliedstaat der EU ist.
  • Nach einem ungeordneten Austritt aus der EU können britische Staatsangehörige grundsätzlich nur eingebürgert werden, wenn sie zuvor die britische Staatsangehörig­keit aufgegeben haben.
  • Wer zum Zeitpunkt des Brexit, also am 29. März 2019, bereits deutsch-britischer Dop­pelstaatler ist, behält aus deutscher Sicht auch nach dem Brexit beide Staatsangehö­rigkeiten, unabhängig davon, seit wann und auf welcher gesetzlichen Grundlage so­wohl die britische als auch die deutsche Staatsangehörigkeit erworben wurden.

Dem Vernehmen nach muss davon ausgegangen werden, dass von der Antragstellung bis zur Einbürgerung mindestens sechs Wochen liegen.

Zu beachten ist, dass sich die Situation für britische Staatsbürger in der Bundesrepublik – wie oben beschrieben – deutlich entspannt, wenn ein Austrittsabkommen zwischen der EU und Großbritannien abge­schlossen wird. Ein Gesetzentwurf der Bundesregierung sieht vor, dass britische Staatsbürger auch nach dem Brexit noch zusätzlich die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten können, wenn ihr Antrag bis zum Ende des Übergangszeitraums (31. Dezember 2020) eingegangen ist.



Rechtliche Grundlage für die Einbürgerung (Stand September 2018)1

Die Voraussetzungen für einen Einbürgerungsanspruch werden in § 10 Staatsangehörig­keitsgesetz konkret im Gesetz genannt. Dazu gehört u. a. ein seit acht Jahren rechtmäßiger gewöhnlicher Aufenthalt im Inland, also grundsätzlich ein ununterbrochener Aufenthalt.

Daneben gibt es die Einbürgerung von Ehegatten oder Lebenspartner Deutscher (§ 9 Staats­angehörigkeitsgesetz). Erforderlich ist in diesen Fällen in der Regel ein Aufenthalt im Inland von drei Jahren.

Es gibt weiterhin die so genannte Ermessenseinbürgerung (§ 8 Staatsangehörigkeitsgesetz). Auch die Ermessenseinbürgerung wird in der Regel nach acht Jahren vorgenommen. Unter bestimmten Voraussetzungen kann sowohl bei der Anspruchseinbürgerung als auch bei der Ermessenseinbürgerung die Regelaufenthaltsdauer verkürzt werden.

Voraussetzung für eine Einbürgerung ist nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 Staatsangehörigkeitsgesetz grundsätzlich die Aufgabe oder der Verlust der bisherigen Staatsangehörigkeit. Eine Einbür­gerung ohne vorherige Entlassung aus der bisherigen Staatsangehörigkeit kommt nur in Be­tracht, wenn die gesetzlichen Regelungen in § 12 Staatsangehörigkeitsgesetz eine Aus­nahme vom Grundsatz der Vermeidung von Mehrstaatigkeit ermöglichen.

Nach Abs. 2 dieser Vorschrift wird bei Staatsangehörigen aus anderen Mitgliedstaaten der Europäischen Union ohne Einschränkung Mehrstaatigkeit hingenommen.


1 Quelle: Niedersächsisches Ministerium für Inneres und Sport

zum Seitenanfang
zur mobilen Ansicht wechseln