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Wirtschaft stellt sich bereits auf den Brexit ein

Frachter  

Am 1. Januar 1973 ist das Vereinigte Königreich den Europäischen Gemeinschaften beigetreten. In den folgenden Jahren und Jahrzehnten wurden die wirtschaftlichen Verbindungen zwischen dem Vereinigten Königreich und den europäischen Nachbarn immer enger. Mit der Schaffung des Europäischen Binnenmarktes zum 1. Januar 1993 und der Erweiterung der Europäischen Union auf letztlich 28 Mitglieder wurden die Verbindungen noch sehr viel enger und verzweigter.

Die Entscheidung der britischen Regierung, gestützt auf das Referendum vom Juni 2016, die Europische Union verlassen zu wollen, stellt für die europäische Wirtschaft eine außerordentliche Herausforderung dar. Die über Jahrzehnte gewachsenen Handelsbezie­hungen, Warenströme, gemeinsame Zertifizierungen und noch vieles mehr müssen neu geordnet werden. Davon ist auch die niedersächsische Wirtschaft betroffen. Daran ändert auch die Verschiebung des Austrittsdatums von Ende März auf Ende Oktober 2019 nichts.

Das Vereinigte Königreich ist für Niedersachsen ein wichtiger Handelspartner. Der Handel mit Großbritannien wird zum größten Teil über die Häfen abgewickelt. Niedersachsen mit seinen Seehäfen spielt hierbei eine bedeutende Rolle. Durch den Brexit drohen im deutsch-britischen Handel wieder Zölle. Damit wäre ein erheblicher bürokratischer Mehraufwand verbunden, der bereits seit Jahren überwunden schien. Dadurch ist der Bund gefordert. Insbesondere das Bundesfinanzministerium muss die Bundeszollverwaltung personell so ausstatten, dass in den deutschen Häfen eine Abferti­gung der britischen Waren zügig möglich ist. Andernfalls würden Schiffsrouten in andere Häfen mit schnellerer Abfertigung verlagert und Niedersachsens Häfen würden Umschlag verlieren. Allein für die Häfen rechnet der Bund mit 900 zusätzlichen Stellen in der Zollver­waltung.

Grafik: Wirtschaftsbeziehungen Deutschland UK  
Quelle:BMWI

Warenverkehr Niedersachsen – Großbritannien

Das Vereinigte Königreich war lange Jahre bis einschließlich 2016 nach den Niederlanden das zweitwichtigste Exportland für Niedersachsen. Hauptausfuhrgüter waren in jenem Jahr Personenkraftwagen und Wohnmobile, Lastkraftwagen und Spezialfahrzeuge sowie Geräte zur Elektrizitätserzeugung, Fahrgestelle/Motoren, Fleisch und Fleischwaren sowie Papier und Pappe. An dieser Gewichtung hat sich bei den Warengruppen in den Folgejahren nicht wirklich etwas verändert. Allerdings hat im Jahr des britischen Referendums die niedersächsische Wirtschaft auf das Brexit-Votum bereits reagiert.

Denn bezogen auf die Ausfuhr niedersächsischer Waren sackte Großbritannien in der Liste der wichtigsten Exportländer im Jahr 2017 von Platz zwei noch hinter Frankreich auf Platz drei ab. Und auch im Jahr 2018 blieb es bei dieser Platzierung. Während der Export niedersächsischer Güter und Waren in EU-Länder im Jahr 2018 um 2,5 Prozent im Vergleich zu 2017 zulegte, nahm der Handel mit Großbritannien noch einmal um 2,4 Prozent ab

Ähnlich sieht es bei der Einfuhr britischer Waren nach Niedersachsen aus. Im Jahr 2017 sackte das Vereinigte Königreich auf Platz acht der wichtigsten Herkunftsländer Güter ab. Und während im Jahr 2018 der Import von Waren aus der EU um 6,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr wuchs, wurden aus dem Vereinigten Königreich immer weniger Waren importiert (minus 9,0 Prozent). Großbritannien sackte im Jahr 2018 auf Platz 12 der wichtigsten Importländer weiter ab.

Diese Daten belegen, dass die Anpassungsreaktionen der Wirtschaft bereits nach dem Refe­rendum vom Juni 2016 begonnen haben, auch wenn sich an den Rahmenbedingungen des Handels mit Großbritannien seither noch nichts geändert hat.


Tabelle Importgüter Niedersachsen 2017

Niedersachsens wichtigste Einfuhrgüter 2017

Bei den Einfuhren stehen fossile Energieträge mit weitem Abstand an der Spitze. Aber auch Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile spielen eine herausragende Rolle. Im Bereich der Ernährungswirtschaft ragt der Import von Fisch und anderen Meeresfrüchten heraus.

Tabelle Importgüter Niedersachsen 2017
Brexit  

Die Handelsbeziehungen zwischen Niedersachsen und Großbritannien in Zahlen

2016

- Niedersachsen handelte im Jahr 2016 Waren und Dienstleistungen im Gesamtwert von 10,03 Milliarden Euro mit Großbritannien.
- Dabei betrug die Summe der Importe 3,64 Milliarden Euro (4,5 Prozent Anteil an den Impor­ten nach Niedersachsen).
- Waren aus Niedersachsen wurden im Wert von 6,39 Milliarden Euro nach Großbritannien exportiert (7,5 Prozent der niedersächsischen Exporte).

2017

- Die Summe der im Jahr 2017 mit Großbritannien gehandelten Waren und Dienstleistungen erreichte mit 9,94 Milliarden Euro fast den Umfang des Vorjahres.
- So betrug die Summe der Importe im vergangenen Jahr 3,58 Milliarden Euro, der Anteil am Gesamtimport sank damit von 4,5 Prozent (2016) auf 4,0 Prozent.
- Im Gegenzug wurden Waren im Wert von 6,36 Milliarden Euro nach Großbritannien expor­tiert. Damit ging der Anteil von 7,5 Prozent (2016) auf 7,2 Prozent zurück.

Erstes Halbjahr 2018

- Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres betrug die Summe der gehandelten Waren und Dienstleistungen insgesamt 5,68 Milliarden Euro.
- Darin enthalten sind Importe aus Großbritannien in Höhe von 1,95 Milliarden Euro.
- Bis Ende Juni 2018 wurden Waren im Gesamtwert von 3,73 Milliarden Euro nach Großbritannien exportiert.
- Die Zahlen für sich genommen lassen auf einen weiterhin stabilen Handel mit Großbritannien schließen. Allerdings hat der Warenverkehr mit anderen Ländern innerhalb und außerhalb der EU in dem beschriebenen Zeitraum teilweise stark zugelegt.

Quelle

Quelle für alle in diesem Artikel genannten Zahlen ist das Landesamt für Statistik Niedersachsen.

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