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07.07.2020: Honé lädt zu Diskussion über Post-Brexit-Handelsbeziehungen ein

Wie entwickeln sich die Handelsbeziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich (VK) nach dem Ende der Brexit-Übergangsphase am 31.12.2020?

Zu diesem Thema hat die Niedersächsische Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung Birgit Honé am 06.07. zusammen mit der Niedersächsischen Landesvertretung in Brüssel eine Online-Diskussion ausgerichtet. Die Ministerin hatte zwei Handelsexperten als Gäste eingeladen: zum einen den SPD-Europaabgeordneten Bernd Lange, der sich als Vorsitzender des Ausschusses für internationalen Handel und Mitglied der Brexit-Koordinierungsgruppe im Europäischen Parlament intensiv mit der Thematik befasst, und zum anderen Dr. Ulrich Hoppe, der als Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer in London tätig ist. Moderiert wurde die Diskussion von Ruth Berschens, die das Büro des „Handelsblatt“ in Brüssel leitet.

Beide Experten waren sich einig, dass der Brexit generell massive Folgen für die europäische, aber insbesondere für die britische Wirtschaft habe. Hoppe verwies auf Studien, denen zufolge die britische Wirtschaft allein durch den Brexit um gut 2% schrumpfen könnte. Die Folgen würden sich durch die Corona-Pandemie und die Gefahr eines „no deal“-Brexit noch verstärken, so Hoppe. Während im Brexiteer-Lage teils die Auffassung herrsche, die Corona-Pandemie erfordere ohnehin einen wirtschaftlichen Neuaufbau, wohingegen der Brexit-Effekt dann gar nicht mehr so stark ausfalle, prognostizierte Hoppe eher, dass es einen multiplikativen Effekt geben würde.

Bernd Lange warnte u.a. vor gravierenden wirtschaftlichen Folgen, wenn kein Abkommen erreicht werde. Falls man auf WTO-Standards zurückfalle, würde dies Probleme für zahlreiche Wertschöpfungsketten, u.a. in der Automobilindustrie, verursachen, weil die Herstellung vieler Produkte bzw. ihrer Bestandteile stark grenzübergreifend verzweigt sei. Ähnliches gelte auch für die Pharmaindustrie. Lange sagte zudem, dass die britische Wirtschaft auch durch mögliche Schließungen von Produktionsstandorten im VK leiden könne. Hoppe ergänzte, dass die Gespräche des VK mit anderen Drittstaaten über neue Freihandelsabkommen nur schleppend vorankämen. Das gelte zumindest für die zehn bis fünfzehn Schlüsselländer, die ebenso wie alle anderen Staaten ihre eigenen Wettbewerbsinteressen verfolgen würden.

Lange und Hoppe erklärten übereinstimmend, dass Einigungen in den Kernkonfliktfeldern zwar möglich seien, dass aber die Gefahr eines harten wirtschaftlichen Brexits real bleibe, wenn sich in den Verhandlungen nicht bald etwas bewege. Entsprechend gelte es, sich auf alle Szenarien vorzubereiten.

Artikel-Informationen

erstellt am:
08.07.2020

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