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1.666.223 Euro für soziale Innovationen im Amtsbezirk Braunschweig: Regionalministerin Honé übergibt fünf Bewilligungsbescheide

Fünf Bewilligungsbescheide aus der Richtlinie „Soziale Innovation“ im Gesamtvolumen von über 1.666.223 Euro hat Niedersachsens Regionalministerin Birgit Honé am (heutigen) Montag in Braunschweig überreicht. Ziel des Programmes ist es, Modellprojekte zu fördern, die mit innovativen Ansätzen einen Beitrag zur Deckung lokaler und regionaler Bedarfe leisten wollen. „Den Herausforderungen unserer Zeit können wir in einem Flächenland wie Niederachsen mit kreativen, oftmals ungeahnt wirkungsvollen Lösungsansätzen besser begegnen – davon bin ich fest überzeugt. Gerade die Bewältigung der Corona-Pandemie zeigt uns, dass wir flexible Instrumente benötigen“, sagte Honé bei der Übergabe der Bescheide. „Genau das ermöglichen wir mit unserer Richtlinie ‘Soziale Innovation‘, mit der wir ein Experimentierfeld geschaffen haben, auf dem unterschiedlichste Akteurinnen und Akteure neue Wege und Lösungsansätze in den Bereichen Daseinsvorsorge und Arbeitswelt erproben können.“

Für fünf Projekte überreichte Regionalministerin Birgit Honé Förderbescheide:

· Die Bonveno gGmbH erhält rund 193.499 Euro für das Projekt „BROTHERS - Gewaltprävention bei (geflüchteten) Jugendlichen“

· Die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH erhält rund 478.392 Euro für das Projekt „HEDI II und III Schwangerenversorgung digital koordiniert“

· Die Arbeit und Leben Nds. Süd gGmbH erhält rund 370.678 Euro für das Projekt „Verbund für generalistische Pflegeausbildung“,

· Die Evangelische Stiftung Neuerkerode erhält rund 472.703 Euro für das Projekt „OPAL - Optimierung der Pflege in der Altenhilfe durch Sensornetzwerke“,

· Die Bildungsvereinigung ARBEIT UND LEBEN Niedersachsen Ost gGmbH erhält rund 150.949 Euro für das Projekt „Gesundheit und kulturelle Vielfalt in der Kita - GeViel“

Birgit Honé: „Bei der Umsetzung wünsche ich Ihnen gutes Gelingen und viel Erfolg!“

Der Landesbeauftragte für regionale Landesentwicklung Braunschweig, Matthias Wunderling-Weilbier, begrüßte die innovative Vielfalt der Vorhaben: „Diese starken Projekte haben nicht nur rund 1,5 Millionen Euro in unsere Region geholt: Hinter den Vorhaben stehen Menschen mit einfallsreichen und zukunftsorientierten Ideen, die neue Lösungen für unsere Wirtschaft und Gesellschaft entwickeln und umsetzen. Die dabei entstehenden Synergien sind ein großer Gewinn für unseren Amtsbezirk."

Abschließend dankte Regionalministerin Honé den drei Stellen für soziale Innovation in Niedersachsen, die potentielle Projektträger bei der Entwicklung innovativer Projekte unterstützen, für ihre Arbeit: „Sie sind ein wichtiges Bindeglied zwischen den Projektträgern und meinem Haus. Sie unterstützen die Projektträger mit großem Engagement von Beginn an über die gesamte Projektdauer. Damit tragen auch Sie zum Gelingen der einzelnen Projekte bei.“

Weitere Informationen zu den geförderten Projekten und zur Richtlinie „Soziale Innovation“ finden Sie hier:

Informationen über die im Amtsbezirk Braunschweig geförderten Projekte:

1. „BROTHERS - Gewaltprävention bei (geflüchteten) Jugendlichen“

In dem geschlechterreflektierenden Jugendprojekt sollen junge Männer als große Brüder "Influencer" sein gegen Ehrkultur und Gewalt.

Junge Männer mit und ohne Migrationshintergrund sollen gewonnen werden, um als Vorbilder zu dienen für junge Geflüchtete, aber auch andere Jugendliche, die Gewalt zur Durchsetzung ihrer Ziele anwenden. Sie sollen wie große Brüder positiv wirken und in Workshops die Zielgruppe bei der Identitätsbildung unterstützen, zu Wertediskussionen und Reflexion über Ehrvorstellungen anregen. Hierfür soll mit dem Projekt HEROES® aus Berlin kooperiert werden, welches seit Jahren sehr erfolgreich mit Postmigranten arbeiten. Das Innovative am vorliegenden Projekt ist die Modifizierung und Erweiterung des HEROES-Konzeptes auf geflüchtete sowie einheimische Jugendliche im ländlichen Raum. Am Ende soll bei der Zielgruppe eine Identifikation mit den Werten der Demokratie und eine Distanzierung von Gewalt insbesondere gegen Frauen (Verbot von Schul- und Berufsausbildung sowie Zwangsverheiratung in jungen Jahren ist Gewalt) erreicht werden. Die Brüder von jungen Migrantinnen sollen diese Haltung multiplizierend in ihre Familien und in die eigene Community tragen, um u.a. auch den Schwestern die Teilhabe an Ausbildung und Arbeitsleben zu ermöglichen.

Antragsteller: Bonveno gGmbh

Kooperationspartner: HEROES Berlin, Landkreis Göttingen, BBS 1 Göttingen, BBS Münden, GAB - Gesellschaft für Arbeits- und Berufsförderung Südniedersachsen gGmbH, dfk - Stiftung Deutsches Forum für Kriminalprävention, Universität Göttingen, Institut für Kulturanthropologie, mannigfaltig e.V. Institut für Jungen- und Männerarbeit Hannover

Das Projekt wird mit einem Zuwendungsvolumen in Höhe von 193.499,93 Euro gefördert.

2. „HEDI II + III – Schwangerenversorgung digital koordiniert“

Digitale Hilfen unterstützen Hebammen in Südniedersachsen bei der sicheren Kommunikation mit Schwangeren und der Koordination ihrer Versorgung.

Im Projekt soll eine digitale Anwendung (HEDI-App) entwickelt werden, die die sichere Kommunikation zwischen Hebammen und Frauen unterstützt und in mehreren Sprachen anbietet. So können auftretende Anfragen priorisiert und in vielen Fällen direkt und kurzfristig beantwortet werden. Die Entscheidung, ob eine persönliche Beratung vor Ort erfolgen muss und zu welchem Zeitpunkt, wird erleichtert und die Zahl der Fahrten für die betreuenden Hebammen verringert. Die gewonnene Zeit steht für die Begleitung weiterer Frauen zur Verfügung, so dass mehr Frauen von den aktuell praktizierenden Hebammen betreut werden können. Es soll sich dabei um ein Pilotprojekt handeln, da es solch eine Versorgungsform bisher bundesweit noch nicht gibt. Durch die digital unterstützte Hebammenbetreuung können Schwangere eine ergänzende Hebammenbetreuung erhalten und Hebammen werden entlastet. Zusätzlich kann die Möglichkeit der digital gestützten Kommunikation dazu beitragen, die Arbeit der Hebamme im ländlichen Raum attraktiver zu machen. Weiterhin soll die App als eine Informationsplattform rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt dienen, vernetzen und den Zugang zu Hilfs- und Beratungsangeboten in sämtlichen Sprachen sowie leichter Sprache ebnen.

Antragsteller: Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung mbh

Kooperationspartner: aidminutes GmbH, Landkreis Northeim, Landkreis Göttingen, Stadt Göttingen, Verein Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen e.V., Soziologisches Forschungsinstitut Uni Göttingen

Das Projekt wird mit einem Zuwendungsvolumen in Höhe von 478.392,43 Euro gefördert.

3. Verbund für generalistische Pflegeausbildung

Im Rahmen des Projektes wird ein Verbund für generalistische Pflegeausbildung zu Sicherung der Ausbildungsqualität aufgebaut.

Ziel des Projektes ist es, dem Pflegenotstand sowie der Novellierung der Ausbildung von Pflegekräften strategisch und proaktiv zu begegnen. Dies wir in den drei Bausteinen Verbund, Koordination und Bildungskonzept angegangen. Die Betriebe sollen dabei durch Fachaustausche sowie Beratung und Begleitung zur qualitativ hochwertigen und gesetzeskonformen Durchführung bei der Implementierung der neuen Pflegeausbildung unterstützt werden. Statt die Konkurrenz um Fachkräfte zu verstärken soll der Verbund für eine gemeinsame Ausbildungs- und Personalgewinnungsstrategie und eine inhaltliche sowie organisatorische Kooperation genutzt werden. Innovativ ist dabei insbesondere die geplante inhaltliche und organisatorisch enge Zusammenarbeit zwischen Betrieben und Pflegeschule mit dem Fokus auf das Thema Ausbildungsqualität und Fachkräftesicherung.

Antragsteller: Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen Süd gGmbh

Kooperationspartner: Demenzpflege Bovenden, GDA Göttingen, Altenhilfezentrum Johannishof

Das Projekt wird mit einem Zuwendungsvolumen in Höhe von 370.678,43 Euro gefördert.

4. Gesundheit und kulturelle Vielfalt in der KiTa - GeViel

Gesundheitsfördernde Arbeitsplatzgestaltung in der Kindertagesbetreuung in Salzgitter unter Berücksichtigung kultureller Vielfalt.

Ziel des Projektes ist die Gestaltung eines gesundheitsfördernden Arbeitsplatzes von Erzieherinnen und Erziehern sowie Tagespflegepersonal in der Kinderbetreuung in Salzgitter. So soll der hohen physischen und psychischen Belastung derselben entgegengewirkt werden. Dabei sollen im Projekt auch besonders geänderte Arbeitsbedingungen und Anforderungen in der pädagogischen Arbeit unter besonderer Berücksichtigung von Sozialgefüge, Anforderungen von Eltern und insbesondere der Auswirkungen sehr hoher Migrationsanteile betrachtet werden. Zur Verbesserung der Resilienz der Fachkräfte und einer gesundheitsfördernden Arbeitsplatzgestaltung sollen diese Zusammenhänge zwecks Maßnahmenentwicklung dazu systematisch analysiert werden.

Antragsteller: Bildungsvereinigung Arbeit und Leben Niedersachsen Ost gGmbh

Kooperationspartner: Stadt Salzgitter

Das Projekt wird mit einem Zuwendungsvolumen in Höhe von 150.949,46 Euro gefördert.

5. „OPAL – Optimierung der Pflege in der Altenhilfe durch Sensornetzwerke

Durch innovative Sensortechnik wird die Qualität der Versorgung in der Pflege zur Verbesserung der Situation von Betroffenen sowie des Personals erhöht.

Ziel ist die Optimierung der stationären Altenhilfe gerade auch in Bezug auf zentrale Aspekte der Daseinsvorsorge. Durch eine partizipative Einführung innovativer digitaler Assistenzsysteme soll erreicht werden, dass eine erhebliche Verbesserung der Qualität der Versorgung der drei Qualitätskriterien Dekubitus, Sturz und ungewollter Gewichtsverlust erreicht wird sowie in diesem Zusammenhang auch die Zufriedenheit und Lebensqualität der stationär Gepflegten steigt. Außerdem soll dadurch eine Erhöhung der Arbeitseffektivität sowie der Zufriedenheit des Pflegepersonals ermöglicht werden. Der dargestellte modellhafte Versorgungsansatz adressiert eine systemweit vorhandene Problemstellung der Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen, personaleffizienten Versorgung in Pflegeheimen.

Antragsteller: Evangelische Stiftung Neuerkerode

Kooperationspartner: Ostfalia Hochschule, Fakultät Gesundheit, Leibniz Universität Hannover L3S Forschungszentrum, Senioren- und Pflegezentrum Bethanien, Theresienhof Goslar

Das Projekt wird mit einem Zuwendungsvolumen in Höhe von 472.703,64 Euro gefördert.


Hintergrund:

2015 hat die Landesregierung mit der Richtlinie „Soziale Innovation“ eine Möglichkeit geschaffen, Modellprojekte zu den Themenfeldern Daseinsvorsorge und Arbeitswelt zu fördern. Es sollen keine technischen, sondern sozial-innovative Ansätze entwickelt und erprobt werden, die zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen und zur Deckung regionaler Bedarfe beitragen. Konkret geht es um Projekte zur Anpassung an den Wandel im Bereich der Arbeitswelt durch veränderte Anforderungen und Bedarfe der Beteiligten sowie Projekte zur Sicherung und Verbesserung des Zugangs zu Sozial- und Gesundheitsdienstleistungen im Rahmen der Regionalen Daseinsvorsorge.

Niedersachsen war mit diesem Ansatz bundesweit Vorreiter. Was als Experiment im Rahmen der Neuausrichtung der ESF-Förderung begann, hat sich mittlerweile zu einem stark nachgefragten Förderinstrument entwickelt.

Seit 2016 gingen in fünf Aufrufen 145 Interessensbekundungen ein, aus denen einschließlich der laufenden Runde 56 Projekte ausgewählt wurden und über die Richtlinie gefördert werden. Insgesamt stehen in der Förderperiode 2014-2020 zur Umsetzung der Richtlinie zwölf Millionen Euro Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Verfügung. Mit der nunmehr fünften und letzten Antragsrunde sind diese Mittel ausgeschöpft.


Europaministerin Honé mit den Projektträgern   Bildrechte: MB
Artikel-Informationen

15.06.2020

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