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Niedersächsisch-spanisches Projekt zur dualen Berufsausbildung startet

Honé und Willamowius begrüßen Perspektive für 13 andalusische Auszubildende

Alcalá de Guadaíra. Spanische Auszubildende können erstmals in Spanien einen am deutschen Modell orientierten dualen Berufsabschluss erwerben, der sowohl in Spanien als auch in Deutschland anerkannt wird. Ein entsprechendes Pilotprojekt des andalusischen Bildungsministeriums und der niedersächsischen Ministerien für Kultus sowie Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung wurde Anfang Oktober in Alcalá de Guadaíra nahe Sevilla gestartet. 13 angehende Kaufleute für Spedition und Logistikdienstleistungen absolvieren ihre dreijährige Ausbildung in Betrieben der Region und besuchen die Berufsschule Cristóbal de Monroy. Generalsekretärin Olaja Abadía Garcia de Vicuña vom andalusischen Bildungsministerium, Niedersachsens Sonderbeauftragter für das Projekt „Gute Nachbarn in Europa“, Michael Buckup, sowie Torsten Temmeyer von der IHK Hannover gaben in einem Festakt den Startschuss.

„Das Projekt ist ein europäisches Win-Win-Projekt zweier Regionen. Niedersächsisches Know-How eröffnet jungen Menschen in Andalusien berufliche und soziale Perspektiven und lindert den Fachkräftemangel“, sagte Niedersachsens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und Regionale Entwicklung, Birgit Honé. Dass die hoch motivierten jungen Menschen aus Andalusien auch für niedersächsische Arbeitgeber interessant sind, habe sich erst im Frühjahr gezeigt, als mehrere Spanierinnen und Spanier Praktika in der Region Hannover absolvierten.


„Duale Berufsausbildung ist hier Motor für die Zukunftschance junger Menschen und gelungenes Praxisbeispiel für europäische Zusammenarbeit“, ergänzt die Staatssekretärin im Kultusministerium, Gaby Willamowius. Damit sei eine wichtige Basis für die weitere Zusammenarbeit beider Länder geschaffen worden. Auch für die andalusischen sowie die niedersächsischen Auszubildenden eröffneten sich durch die Teilnahme an dem Projekt wichtige und nachhaltige Perspektiven für ihren beruflichen und persönlichen Werdegang.

„Erstmals spielen die Betriebe die Hauptrolle und es wird ein Lehrvertrag abgeschlossen“, erklärte Abadía Garcia de Vicuña. „Das Projekt wird zur Verbesserung und Förderung einer dualen Berufsausbildung beitragen, die auf die Bedürfnisse der Wirtschaft eingeht, den jungen Menschen aus Andalusien einen erfolgreicheren Berufseinstieg ermöglicht und sie einen in beiden Staaten anerkannten Berufsabschluss erhalten.“ Das duale Projekt sei europaweit auf großes Interesse gestoßen.

Alle Beteiligten seien vom erfolgreichen Start überzeugt, so dass im kommenden Jahr weitere Jahrgänge und Berufsschulen folgen könnten, sagte Buckup. Er dankte den niedersächsischen und andalusischen Projektpartnern. Die Vorbereitung sei angesichts der Corona-Pandemie eine besondere Herausforderung gewesen. Temmeyer sprach von einer großen Chance: Einige Betriebe hätten schon signalisiert, 2022 weitere Ausbildungsplätze schaffen zu wollen.

Dabei soll es aber nicht bleiben: Mit dem Projekt soll auch der Austausch von Lehrkräften sowie von Berufsschülerinnen und -schülern über die EU-Erasmus-Programme gefördert werden.

Hintergrund:

Das Projekt „Gute Nachbarn in Europa“ ist 2015 aus dem Gedanken der europäischen Solidarität mit Spanien entstanden. Spanien leidet unter einer hohen Jugendarbeitslosigkeit von derzeit mehr als 30 Prozent, insbesondere Andalusien ist betroffen. Gleichzeitig ist das in Deutschland gängige duale Konzept einer bezahlten, überwiegend betrieblichen Ausbildung mit Unterricht in berufsbildenden Schulen bisher nicht ins spanische Berufsbildungssystem integriert. Das Pilotprojekt soll mit einer grenzüberschreitenden Ausbildung auch gemeinsame Ausbildungsstandards etablieren. Das Projekt wird aus spanischen und europäischen Mitteln gefördert.


Artikel-Informationen

erstellt am:
22.10.2021

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